Die IEC 62443 im Maschinen- und Anlagenbau
- Angelika Moser

- 27. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Die zunehmende Vernetzung von Produktionsanlagen erhöht die Angriffsfläche für Cyberbedrohungen erheblich. Für Maschinen- und Anlagenbauer wird IT-Security damit zu einem kritischen Erfolgsfaktor. Die internationale Norm IEC 62443 bietet einen strukturierten Rahmen für die Absicherung industrieller Automatisierungs- und Leitsysteme und etabliert dabei den Ansatz "Security by Design" als fundamentales Prinzip.
Die IEC 62443 als Standard für industrielle Cybersecurity
Die IEC 62443 „Industrielle Kommunikationsnetze -IT Sicherheit für Netzte und Systeme“ ist eine mehrteilige Normenreihe, die speziell für Industrial Automation and Control Systems (IACS) entwickelt wurde. Im Gegensatz zu IT-Security-Standards berücksichtigt sie die besonderen Anforderungen der Operational Technology (OT): kontinuierliche Verfügbarkeit, Echtzeitfähigkeit, lange Patchzyklen, proprietäre Betriebssysteme und oft jahrzehntelange Betriebszeiten.
Für Maschinen- und Anlagenbauer sind insbesondere die Teile IEC 62443-4-1 (Entwicklungsprozess) und IEC 62443-4-2 (technische Komponenten-Anforderungen) relevant.
Die IEC 62443 teilt hierzu in unterschiedliche Rollen auf, welche unterschiedliche Anforderungen erfüllen:
Hersteller/ Produktlieferanten
Systemintegratoren
Anlagenbetreiber
Wartungsdienstleister
Welche Rolle nimmt der klassische Maschinenbauer im Rollenmodell der IEC 62443 nun ein? Die IEC 62443 definiert Maschinenbauer nicht eindeutig. Je nach Anwendung kann der Maschinenbauer Hersteller oder auch Integrator sein, und seine Maschine sowohl als Produkt oder als System definiert werden.
Maschinenbauer sollten daher systemweite Sicherheitsfunktionen wie zum Beispiel Benutzerverwaltung und Netzwerksegmentierung implementieren und gleichzeitig sicherstellen, dass alle verbauten Komponenten den relevanten Sicherheitsstandards wie IEC 62443-4-2 entsprechen.
Security by Design - ein wesentlicher Prozess in der IEC 62443
Die IEC 62443 verfolgt den Ansatz „Security-by-Design“. Das bedeutet, dass Sicherheitsaspekte von Beginn an in den Entwicklungsprozess von Hard- und Software integriert werden. Die Norm IEC 62443-4-1 schreibt hierfür einen dokumentierten Prozess vor, der jede Phase - von der Spezifikation über das Design bis hin zu Tests und Wartung – einen sicheren Entwicklungslebenszyklus abdeckt.
Im Wesentlichen erfordert dies:
Frühe Risikoanalyse:
Bereits in der Konzeptphase müssen potenzielle Bedrohungen identifiziert und bewertet werden. Die IEC 62443-3-2 beschreibt hierfür einen strukturierten Risikobewertungsprozess, der Bedrohungsszenarien, Schwachstellen und mögliche Auswirkungen systematisch erfasst.
Sicherheitsanforderungen definieren:
Aus der Risikoanalyse leiten sich konkrete Sicherheitsanforderungen ab, die für jede Komponente und jeden Systembereich definiert werden müssen. Die IEC 62443 definiert sieben Foundational Requirements (FR), darunter Zugriffskontrolle, Datenintegrität und Systemintegrität. Diese werden in vier Security Levels (SL 1-4) abgestuft, wobei höhere Levels strengere Anforderungen stellen.
Die Praktische Umsetzung im Maschinen- und Anlagenbau
Die Zonierung:
Ein zentrales Konzept der IEC 62443 ist die Aufteilung eines Systems in Sicherheitszonen mit unterschiedlichen Schutzbedürfnissen. Kommunikationsverbindungen zwischen Zonen werden als "Conduits" bezeichnet und müssen besonders abgesichert werden.
Praxisbeispiel: Eine Fertigungslinie wird in Zonen unterteilt:
Zone 0: Safety-kritische SPS mit höchstem Schutzbedarf (SL 3)
Zone 1: Steuerungsebene mit Visualisierung (SL 2)
Zone 2: MES-Anbindung und Datenerfassung (SL 2)
Zone 3: Externe Konnektivität und Fernwartung (SL 1-2)
Risikomanagement:
Die Risikoanalyse unterliegt einem kontinuierlichen Prozess, der nicht einmalig durchgeführt wird, sondern regelmäßig wiederholt werden muss – insbesondere bei Systemänderungen und neuen Bedrohungen.
Technische Schutzmaßnahmen auf Komponentenebene:
Hier definiert die IEC 62443 konkrete technische Anforderungen an Komponenten. Die wichtigsten Maßnahmen umfassen:
Authentifizierung und Autorisierung: Starke Authentifizierungsmechanismen, rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) und das Prinzip der geringsten Privilegien.
Datenverschlüsselung: Verschlüsselung sensitiver Daten in Übertragung und Speicherung mittels etablierter Protokolle wie TLS.
Secure Boot und signierte Firmware-Updates: Sicherstellung der Integrität von Firmware und Software durch Prüfung hinterlegter Sicherheitszertifikate.
Logging und Monitoring: Umfassende Protokollierung sicherheitsrelevanter Events zur Anomalieerkennung und forensischen Analyse.
Hardening: Deaktivierung nicht benötigter Dienste und Ports, sichere Default-Konfigurationen, regelmäßige Security-Updates.
Die Fernwartungsrouter und Industrie Firewalls von MB Connect Line unterstützen Sie bei der Umsetzung der oben beschriebenen Punkte. In Deutschland entwickelt und gefertigt, ermöglichen die Lösungen eine, auf die Sicherheitsaspekte ausgerichtete Konfiguration, auch wenn Sie kein IT-Experte sind. Rollenbasierte Benutzerkonzepte lassen sich genauso einfach implementieren wie eine LAN-Segmentierung, VPN-Verschlüsselung und Firewall Regeln. Die Experten der PRIMATION beraten und unterstützen Sie gerne bei der Auswahl der richtigen Komponenten, der Inbetriebnahme und stehen auch im Vorfeld schon beratend zur Seite, wenn es um Sicherheitsfragen geht. Für Maschinenbauer, SPS-Programmierer oder Fertigungsbetrieb, also die Komplettlösung aus einer Hand. Wir lassen Sie über den gesamten Projektzyklus nicht im Regen stehen und unterstützen von der Planung, über die Umsetzung bis hin zum Support. Wenn Bedarf besteht schulen wir auch Ihre Mitarbeiter, sodass der sichere Einsatz der Lösung gewährleistet ist.
Fazit
IEC 62443 etabliert einen ganzheitlichen Ansatz für Cybersecurity im industriellen Umfeld. Für Maschinen- und Anlagenbauer wird die Norm zunehmend zur Voraussetzung für die Marktfähigkeit. Der Security-by-Design-Ansatz führt zu robusteren Produkten, geringeren Supportkosten und einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der systematischen Umsetzung: fundierte Risikoanalyse, Integration von Security in den Entwicklungsprozess und die Etablierung einer Security-Kultur im Unternehmen. Die Zeit für reaktive Security-Maßnahmen ist vorbei – die Zukunft gehört jenen, die Security von Grund auf in ihre Produkte integrieren. Mit unserem Know-How und den passenden Produkten gelingt es Ihnen die hohen Anforderungen an die Sicherheit einfach umzusetzen.




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