Cyber Resilience Act (CRA): Was die neue EU-Sicherheitsanforderung für die AV-Medientechnik bedeutet

Cyberrisiken in modernen AV-Systemen
Im Gegensatz zu früher, als AV-Setups isoliert betrieben wurden, werden heutige AV-Infrastrukturen oft direkt ins Unternehmensnetzwerk eingebunden und haben nicht selten dauerhafte Cloudverbindungen diverser Dienste. AV-Geräte, die mit dem Firmennetzwerk verbunden sind, stellen potenzielle Einstiegspunkte für Cyberkriminelle dar. Das kann zu Datenverlust oder Betriebsausfällen führen.
Hier kommt die EU-Verordnung des Cyber Resilience Act (CRA) ins Spiel. Laut Definition gilt der CRA für alle „Produkte mit digitalen Elementen“ also Hard- sowie Software, die eine Verbindung zu einem Netzwerk herstellen. Ab 11 Dezember 2027 dürfen in der EU nur noch Geräte in Umlauf gebracht werden, die dem CRA entsprechen, also die laut Verordnung standardmäßig sicher sind.
Davon betroffen sind unter anderem Geräte wie Switche, Steuerungen, Audio-Interfaces, Mikrofone und Lautsprecher mit Netzwerkfunktion und auch Software wie Steuerungs-Apps.
Sicherheitsrisiken bei AV-Systemen
Betrachtet man die möglichen Sicherheitsrisiken in einem AV-Mediennetzwerk ist jedem klar, dass hier ein umfassendes, durchdachtes Sicherheitskonzept von der Planung bis zur Umsetzung und dem Betrieb erstellt werden muss.
Bekannte Schwachstellen sind unter anderem:
Unautorisierte Zugriffe und Datenmanipulation: Schwerwiegende Datenschutzverletzungen und Datendiebstahl können passieren, wenn Audio- und Videodaten bei der Übertragung durch Dritte abgefangen werden. Sind die Dateien dann auch noch unverschlüsselt, können sie manipuliert werden, um falsche Informationen zu verbreiten.
Vieren und Schadsoftware: Audio- und Videodateien können als Träger für schädliche Software verwendet werden und somit Systeme infizieren und Daten kompromittieren.
Schwachstellen in der Fernsteuerung: Unbefugte können durch schwache geschützte Fernsteuerungsfunktionen auf das AV-Netzwerk Zugriff erlangen.
Unsichere Firmware-Updates: AV-Geräte, die nicht regelmäßig aktualisiert werden, sind anfällig für Sicherheitslücken.
Schwachstellen bei der IoT-Integration: Werden AV-Geräte mit dem Internet der Dinge (IoT) verbunden, können diese Verbindungen als Einfallstor für Angriffe auf das gesamte Netzwerk dienen.
Schutzlosigkeit gegen physische Manipulation: Ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen können AV-Geräte vor Ort leicht physisch manipuliert werden.
Mit dem Cyber Resilience Act erhalten Hersteller einen klaren Leitfaden, um wichtige Sicherheitsanforderungen für ihre Produkte und Geräte umzusetzen.
Der CRA verpflichtet somit Hersteller, die Sicherheit ihrer Produkte über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu gewährleisten und potenzielle Cybersicherheitsrisiken kontinuierlich zu berücksichtigen. Zu den wichtigsten Sicherheitsanforderungen zählen:
Security by Design – Bereits bei der Entwicklung müssen Hersteller Sicherheitsrisiken berücksichtigen und Angriffsflächen minimieren.
Security per Default – Das Produkt muss schon bei Auslieferung voreingestellte Sicherheitseinstellungen erfüllen.
Schwachstellenmanagement – Sicherheitsvorfälle müssen aktiv gemeldet und Sicherheitslücken über einen Update-Mechanismus geschlossen werden.
Transparenz – Verpflichtend sind technische Dokumentation, CE-Kennzeichnung, Angaben zur Supportdauer sowie ein Software Bill of Materials (SBOM) für mehr Transparenz in der Softwarelieferkette.
Sicherheitsansatz beim Gerätedesign
Um bei einem Gerät nicht nachträglich teure Sicherheitstools einsetzen zu müssen, ist laut CRA schon bei der Geräte- oder Softwareentwicklung die Risikobewertung der Sicherheit ein fester Bestandteil. Potenzielle Angriffsflächen sollen so schon im Design auf ein Minimum reduziert werden. Die Verankerung von Schutzmechanismen in der Architektur soll von Anfang an Schutz vor unbefugten Zugriff geben.

Hier hilft auch die Implementierung mehrschichtiger Sicherheitsebenen, die das Risiko bei
einer Sicherheitsverletzung wesentlich verringern.
Beispiele dafür sind Schutz und die Verschlüsselung der Daten in der Architektur, implementierte Zugangskontrollen und Integritätsprüfungen.
Sicherheitsrichtlinien per Default
Viele netzwerkfähige AV-Geräte weisen noch immer gravierende Sicherheitsmängel auf, sind aber in kostenorientierten Ausschreibungen durchaus anzutreffen. Die Anforderungen des CRA sind hier jedoch eindeutig.
Geräte müssen schon bei der Auslieferung bestimmten Sicherheitsrichtlinien entsprechen. Dazu zählen:
Keine Standard-Passwortkonfiguration - Damit fallen universelle gesetzte Passwörter bei der Auslieferung weg
Kein offener Port - Alle nicht benötigten Ports müssen per Default geschlossen sein
Keine aktiven Dienste die selbständig ins Netz gehen
Regelmäßige kostenlose Sicherheitsupdates während der gesamten Lebenszyklusphase (mindestens 5 Jahre ab Markteinführung)
Erfüllt ein Gerät diese Anforderungen nicht, können später Probleme und Folgekosten für den Betreiber entstehen.
Ausschreibungen Zukunftssicher planen
Auch wenn der CRA sich in erster Linie an Hersteller und das Produkt richtet, sind auch andere Firmen in der AV-Medientechnik direkt davon betroffen. Ausschreibungen und Planungen, die heute erstellt werden, sollten bereits die Anforderungen des CRA berücksichtigen und die Auswahl der richtigen Produkte bedenken. Hersteller, die schon bei der Entwicklung grundsätzlich auf Sicherheit geachtet haben, sind in der Zukunft gute Projektpartner. So lassen sich schon jetzt für die spätere Umsetzungsphase Probleme, Nachbesserungen oder zusätzliche Kosten vermeiden.
Ein Gerät das ab dem 11.12.27 nicht den Anforderungen des CRA entspricht darf nicht mehr im EU-Markt verkauft werden und wird somit vom Markt verschwinden. Folglich steht dann hierfür kein Support oder Ersatz mehr zur Verfügung.
Serviceangebot für Kunden erweitern
Sind die eingesetzten Produkte CRA konform kommt es am Schluss dennoch auf die richtige Konfiguration der einzelnen Geräte an. Unter Berücksichtigung des Einsatzortes und des zu erreichenden Sicherheitslevels müssen die Produkte entsprechend konfiguriert werden. Folgende Punkte spielen dabei eine wesentliche Rolle:
Netzwerksegmentierung – Trennung von AV und Unternehmensnetz
Regelmäßige Firmwareupdates durchführen, um Sicherheitslücken zu schließen
Zentrale Verwaltung der Benutzer, Rollenbasierte Zugangsrechte mit starker Authentifizierung (2FA) und bei Bedarf mit zeitlich begrenzter Zugriffskontrolle
Sicherheitsrichtlinien zur Zugriffskontrolle, Protokollierung und regelmäßige Sicherheitsaudits
Verschlüsselung der zu übertragenden Daten
Keine offenen Ports im Netzwerk
Für Integratoren bietet der CRA die Chance, ihr Serviceangebot gezielt zu erweitern. Eine kontinuierliche Betreuung über die reine Installation hinaus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dazu gehören beispielsweise das Einspielen von Firmware- und Sicherheitsupdates, die Anpassung von Konfigurationen sowie die regelmäßige Überprüfung des Anlagenzustands. Daraus ergeben sich attraktive neue Service- und Wartungsangebote mit langfristigem Mehrwert für den Kunden.
Als Basis sollte hier eine sichere Fernwartung und ein Monitoring des AV-Netzwerkes dienen. Auch wenn viele Hersteller hier eigene Monitoring-Lösungen anbieten, ist ein herstellerübergreifendes Monitoring sinnvoll, um die Transparenz des Netzwerkes zu erhöhen und eine Fehlersuche proaktiv zu gestalten.
Primation Systemtechnik als Lösungsanbieter
Für Fernzugriff, Fernwartung und Monitoring haben wir als Primation Systemtechnik drei ausgewählte Bausteine, die zwar alle allein funktionieren aber auch gut kombiniert werden können.
Fernzugriff realisieren wir mit Produkten von MB connect line
Die zuverlässige Fernwartung bildet unser ProAV Network Server ab
Für lückenloses Monitoring bieten wir zwei Varianten:
Eine Linux-basierte OpenSource-Lösung (LibreNMS) für kostensensitive On-Premise-Projekte
Obsero als cloudbasierte oder On-Premise Plattform für AV-Monitoring mit einem starken Fokus auf Datensicherheit und Datenresidenz innerhalb der EU
Gerne unterstützen wir Sie bei Ihren Projekten und stehen Ihnen von Anfang an und darüber hinaus zur Seite.

Fazit
Der Cyber Resilience Act macht Cybersicherheit zu einem festen Bestandteil moderner AV-Systeme. Hersteller müssen künftig sichere Produkte entwickeln und über deren gesamten Lebenszyklus unterstützen. Gleichzeitig gewinnen für Betreiber und Integratoren Themen wie Produktauswahl, Konfiguration, Monitoring und regelmäßige Updates zunehmend an Bedeutung.
Wer bereits heute auf sichere, zukunftsfähige AV-Lösungen setzt, vermeidet spätere Risiken und schafft die Grundlage für einen zuverlässigen und langfristig sicheren Betrieb. Der CRA ist damit nicht nur eine regulatorische Vorgabe, sondern auch eine Chance für mehr Qualität, Transparenz und Service in der AV-Medientechnik.
PRIMATION Consulting: CRA-konforme AV-Sicherheit – von der Bestandsaufnahme zur Strategie
Auch wenn der Cyber Resilience Act vorrangig Hersteller adressiert, stehen Betreiber, Planer und Integratoren in der AV-Medientechnik unter wachsendem Druck, ihre Projekte frühzeitig CRA-konform und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll auszulegen. Genau hier setzt PRIMATION Consulting an: Wir verbinden tiefes Know-how in Enterprise- und AV-Netzwerken mit einem praxisnahen Verständnis der neuen Sicherheitsanforderungen.
Unsere Beratungsleistung umfasst unter anderem die Analyse bestehender AV- und IT-Infrastrukturen im Hinblick auf CRA-relevante Risiken, die Unterstützung bei der Produktauswahl sowie die Entwicklung von Sicherheits- und Netzwerkarchitekturen für neue Projekte. Dabei betrachten wir AV-Systeme nie isoliert, sondern immer im Kontext des Unternehmensnetzwerks – inklusive Themen wie Segmentierung, Zugriffsrechte, Monitoring und sicherem Remote-Zugriff.
Gemeinsam mit Ihnen erarbeiten wir umsetzbare Roadmaps: von der Bestandsaufnahme über die Definition von Sicherheitszielen bis hin zu konkreten Maßnahmen für Konfiguration, Betrieb und Servicekonzepte. Auf Wunsch begleiten wir Ausschreibungen, unterstützen bei Herstellerbewertungen und helfen, Serviceverträge so zu gestalten, dass Updates, Patches und Monitoring nachhaltig geregelt sind.
Wenn Sie Ihre AV-Infrastruktur frühzeitig CRA-fit machen und gleichzeitig Stabilität, Verfügbarkeit und Bedienbarkeit im Blick behalten wollen, stehen wir Ihnen als unabhängiger Sparringspartner zur Seite. Nehmen Sie gerne Kontakt zu PRIMATION Consulting auf – wir klären in einem ersten Gespräch, wo Sie heute stehen und wie wir Sie auf dem Weg zu einer cyberresilienten AV-Umgebung unterstützen können.
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