IEC 62443 in mechanical and plant engineering
Updated: Sep 30

Die zunehmende Vernetzung von Produktionsanlagen erhöht die Angriffsfläche für Cyberbedrohungen erheblich. Für Maschinen- und Anlagenbauer wird IT-Sicherheit daher zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Der internationale Standard IEC 62443 bietet einen strukturierten Rahmen zur Sicherung industrieller Automatisierungs- und Leitsysteme und etabliert den Ansatz "Security by Design" als grundlegendes Prinzip.
IEC 62443 als Standard für industrielle Cybersicherheit
IEC 62443 "Industrielle Kommunikationsnetzwerke - IT-Sicherheit für Netzwerke und Systeme" ist eine mehrteilige Normenreihe, die speziell für industrielle Automatisierungs- und Leitsysteme (IACS) entwickelt wurde. Im Gegensatz zu IT-Sicherheitsstandards berücksichtigt sie die besonderen Anforderungen der Betriebstechnologie (OT): kontinuierliche Verfügbarkeit, Echtzeitfähigkeit, lange Patch-Zyklen, proprietäre Betriebssysteme und oft jahrzehntelange Betriebszeiten.
Für Maschinen- und Anlagenbauer sind die Teile IEC 62443-4-1 (Entwicklungsprozess) und IEC 62443-4-2 (technische Komponentenanforderungen) besonders relevant. IEC 62443 unterteilt dies in verschiedene Rollen, die unterschiedliche Anforderungen erfüllen:
Hersteller/Produktanbieter
Systemintegratoren
Anlagenbetreiber
Wartungsdienstleister
Welche Rolle spielt der traditionelle Maschinenbauer im Rollenmodell von IEC 62443? IEC 62443 definiert Maschinenbauer nicht eindeutig. Je nach Anwendung kann der Maschinenbauer ein Hersteller oder ein Integrator sein, und seine Maschine kann entweder als Produkt oder als System definiert werden. Maschinenbauer sollten daher systemweite Sicherheitsfunktionen wie Benutzerverwaltung und Netzwerksegmentierung implementieren, während sie gleichzeitig sicherstellen, dass alle installierten Komponenten den relevanten Sicherheitsstandards wie IEC 62443-4-2 entsprechen.
Security by Design - ein wesentlicher Prozess in IEC 62443
IEC 62443 folgt dem Ansatz "Security by Design". Das bedeutet, dass Sicherheitsaspekte von Anfang an in den Hardware- und Softwareentwicklungsprozess integriert werden. Der Standard IEC 62443-4-1 schreibt einen dokumentierten Prozess vor, der jede Phase abdeckt – von der Spezifikation über das Design bis hin zu Tests und Wartung – und so einen sicheren Entwicklungslebenszyklus gewährleistet.
Wesentlich dafür ist:
Frühe Risikoanalyse
Potenzielle Bedrohungen müssen bereits in der Konzeptionsphase identifiziert und bewertet werden. IEC 62443-3-2 beschreibt einen strukturierten Prozess zur Risikoanalyse, der Bedrohungsszenarien, Schwachstellen und potenzielle Auswirkungen systematisch erfasst.
Sicherheitsanforderungen definieren
Die Risikoanalyse führt zu spezifischen Sicherheitsanforderungen, die für jede Komponente und jedes Systemgebiet definiert werden müssen. IEC 62443 definiert sieben grundlegende Anforderungen (FR), darunter Zugriffskontrolle, Datenintegrität und Systemintegrität. Diese werden in vier Sicherheitsstufen (SL 1-4) kategorisiert, wobei höhere Stufen strengere Anforderungen stellen.
Praktische Umsetzung in der Maschinen- und Anlagenbau
Ein zentrales Konzept von IEC 62443 ist die Aufteilung eines Systems in Sicherheitszonen mit unterschiedlichen Schutzanforderungen. Kommunikationsverbindungen zwischen den Zonen werden als "Conduits" bezeichnet und müssen speziell gesichert werden.
Praktisches Beispiel: Eine Produktionslinie wird in Zonen unterteilt:
- Zone 0: Sicherheitskritische PLCs mit den höchsten Schutzanforderungen (SL 3)
- Zone 1: Steuerungsebene mit Visualisierung (SL 2)
- Zone 2: MES-Anbindung und Datenerfassung (SL 2)
- Zone 3: Externe Anbindung und Fernwartung (SL 1-2)
Die Risikoanalyse ist ein kontinuierlicher Prozess, der nicht einmalig durchgeführt wird, sondern regelmäßig wiederholt werden muss – insbesondere bei Systemänderungen und neuen Bedrohungen.
Hier definiert IEC 62443 spezifische technische Anforderungen für Komponenten. Die wichtigsten Maßnahmen umfassen:
Authentifizierung und Autorisierung: Starke Authentifizierungsmechanismen, rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) und das Prinzip der minimalen Berechtigung.
Datenverschlüsselung: Verschlüsselung sensibler Daten während der Übertragung und Speicherung unter Verwendung etablierter Protokolle wie TLS.
Sicherer Boot und signierte Firmware-Updates: Gewährleistung der Integrität von Firmware und Software durch Überprüfung gespeicherter Sicherheitszertifikate.
Protokollierung und Überwachung: Umfassende Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse zur Anomalieerkennung und forensischen Analyse.
Härtung: Deaktivierung unnötiger Dienste und Ports, sichere Standardkonfigurationen, regelmäßige Sicherheitsupdates.
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Fazit
IEC 62443 etabliert einen ganzheitlichen Ansatz zur Cybersicherheit in industriellen Umgebungen. Für Maschinen- und Anlagenbauer wird dieser Standard zunehmend zu einer Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt. Der Ansatz "Security by Design" führt zu robusteren Produkten, niedrigeren Supportkosten und einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der systematischen Umsetzung: fundierte Risikoanalyse, Integration von Sicherheit in den Entwicklungsprozess und die Etablierung einer Sicherheitskultur im Unternehmen. Die Ära der reaktiven Sicherheitsmaßnahmen ist vorbei – die Zukunft gehört denen, die Sicherheit von Grund auf in ihre Produkte integrieren. Mit unserem Fachwissen und den richtigen Produkten kannst du die strengen Sicherheitsanforderungen mühelos erfüllen.





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